Wer denkt, mit virtuellem Geld aus Onlinerollenspielen wäre die Spitze der absurdesten immateriellen Güter erreicht, die im Internet-Auktionshaus eBay verkauft werden, irrt sich. Dort ebenfalls angeboten werden Einladungen und Accounts zu privaten BitTorrent-Trackern. Der Szene gefällt das natürlich gar nicht.
Wer einen hat, hat's gut. Wer keinen hat, will einen haben. Accounts bei privaten Torrent-Trackern sind beliebt, garantieren sie dem Warez-affinen Filesharer doch den Download der neuesten Files in einer Geschwindigkeit, die den DSL-Anschluß zum Ächzen bringt und zudem ein gewisses Mehr an Sicherheit vor Piraterieverfolgern im Vergleich zu den Hinz und Kunz offen stehenden Trackern von Pirate Bay und Konsorten. Dieses Mehr an Sicherheit wird gewährleistet durch harte Zugangsvoraussetzungen. Nicht ungewöhnlich ist, dass ein Mitgliedschaftsanwärter sich von aktiven Usern des Trackers empfehlen lassen muss, beziehungsweise mehrere Stunden warten muss, um anschließend in einem IRC-Kanal umfassend interviewt zu werden.
Dieses Zugangssystem könnte durch die aktuellen Entwicklungen empfindlichen Schaden nehmen.
Wie das Szeneblog Filesharefreak herausfand, gibt es Benutzer, die Invites oder gleich ihren ganzen Account mit sämtlicher angehäufter S/L-Ratio (das Verhältnis von hoch- zu heruntergeladenen Daten, auf privaten Trackern wichtig) mit zum Teil blumigen Beschreibungen bei eBay verkaufen. Betroffen davon sind unter anderem die Tracker von What.cd, STmusic.org, Demonoid und TorrentLeech. Wir können das bestätigen, eine einfache
Suche nach "tracker invite" bringt auch auf der deutschen eBay-Seite mehrere Ergebnisse.
Einer dieser Anbieter rechtfertigt sich in der Produktbeschreibung seiner Auktion:
"
Laut den Demonoid-Regeln darf ich diese Codes nicht verkaufen. Ich kann ihre Regeln verstehen und deren Gründe nachvollziehen, aber ich bin anderer Meinung. Ich glaube, es sollte für neue User einen Weg geben, Mitglied zu werden, ohne in der Warteschlange zu sein und da komme ich ins Spiel. Obwohl Demonoid oft droht, Accounts zu bannen, die verkauft werden, gibt es für sie absolut keine Möglichkeit herauszufinden, welche Accounts in Ordnung und welche Fake sind, solange du ihnen keinen Hinweis gibst. (...) Wenn du ein Problem mit dem Verkauf dieser Codes hast, kauf sie eben nicht!"
Mal abgesehen davon, dass das Verhalten der Verkäufer gegen die Trackerregeln und jeden Szenecode verstößt, ist es auch gefährlich. Wenn dieses Beispiel Schule macht, kann mit ein wenig Geld zukünftig das System aus Vertrauen und Bewährung umgangen werden, welches diese Tracker schützt. Dass man damit außerdem Maulwürfen von RIAA und MPAA alle Türen öffnet, muss kaum erwähnt werden. Und für einen gebusteten Szenetracker lassen sich auch keine Invites mehr verticken.
